Legionellen stellen ein anhaltendes Problem im deutschen Trinkwassernetz dar. Auch in Kühltürmen und Klimaanlagen treten erhöhte Legionellenwerte auf. Diese Keime können schwere gesundheitliche Folgen haben und werden vom Menschen über die Atemwege aufgenommen. Der folgende Artikel informiert Sie über die genaue Übertragungsweise der Legionellen, wie diese ins Leitungswasser gelangen und über die möglichen Gegenmaßnahmen, die Sie als Verbraucher einleiten können [1] [2].

Definition

Im nachfolgenden Artikel wird unter Trinkwasser gleichermaßen Leitungswasser verstanden.

Was sind Legionellen und wo treten sie auf?

Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien, die in geringer Konzentration im Boden und in beinahe allen Gewässerarten, also sowohl im Salz- als auch im Süßwasser, verbreitet sind. Sie besitzen eine durchschnittliche Länge von 2-5 µm und einen Durchmesser von 0,5-0,8 µm. Derzeitig sind 48 Legionellenarten bekannt. Für den Menschen am gefährlichsten ist die sogenannte Legionella pneumophila, sie befällt die Lunge und löst die gefährliche Legionärskrankheit aus [1] [5] [12].

Die Vermehrung und das Absterben der Legionellen im Leitungswasser

In geringer, ungefährlicher Konzentration sind Legionellen bereits im Leitungswasser enthalten, sobald dieses das Wasserwerk verlässt. Die Zunahme der Legionellen hängt entscheidend von der Temperatur ab. Bei 20 Grad Celsius oder niedriger nimmt die Legionellenzahl nur sehr langsam zu. Vor allem in den Warmwassersystemen der Gebäude mit einem erhöhten Temperaturniveau haben diese Keime jedoch ausgezeichnete Möglichkeiten sich zu vermehren. Die Wachstumsrate steigt im Bereich von 20 bis 30 Grad Celsius stufenweise an und findet optimale Bedingungen zwischen 30 und 45 Grad Celsius vor. Ab 50 Grad Celsius wiederum sinkt die Vermehrungszahl und ab 55 Grad Celsius werden diese Bakterien langsam im Wasser abgetötet. Dieses Absterben beschleunigt sich bei einer weiteren Temperaturzunahme. Generell ist ab einem Bereich von 70 Grad Celsius und einer Einwirkzeit dieser Temperatur von mehr als drei Minuten von einer sicheren, raschen Abtötung der Legionellen auszugehen. Besonders gut vermehren sich die Keime auf größeren Oberflächen wie Biofilmen oder Wuchsbelägen, die beispielsweise auf Filtern oder bei Ablagerungen durch Schlamm, Korrosionsprodukte oder Kalk vorkommen [1] [12].

Legionellengrenzwert im Trinkwasser

Das Gesundheitsrisiko wird nicht nur von der Legionellenmenge bestimmt, sondern auch von der Legionellenart, dem Auftreten von Amöben und dem Immunsystems des Verbrauchers. Die Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2001 legt den Grenzwert von Legionellen im Trinkwasser bei 100 KBE pro 100 Milliliter fest. Mit der Maßeinheit KBE, Abkürzung für „koloniebildende Einheit“, wird die Anzahl von Mikroorganismen angegeben [1] [3]. Wird der festgelegte Grenzwert nicht eingehalten, so muss der Betreiber Maßnahmen gegen den Legionellenbefall einleiten. Nach vier Wochen ist eine erneute Überprüfung notwendig. Bei erneuter Überschreitung im Bereich von 100 bis 1000 KBE pro 100 Milliliter sind weitere Maßnahmen erforderlich. Über dem Wert von 1000 KBE pro 100 Milliliter sind Sanierungsmaßnahmen notwendig. Übersteigt die Legionellenzahl den Gefahrenwert von 10000 KBE pro 100 Milliliter, so müssen Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden, zum Beispiel Duschverbote oder der Einsatz von Filtern. Legionellen dürfen in Hochrisikobereichen wie beispielsweise Krankenhäusern, in denen sich Menschen mit geschwächtem Immunsystem aufhalten, nicht vorkommen. Der Grenzwert liegt in diesem Fall bei 0 KBE pro 100 Milliliter [1] [3] [11] [12].

“Die Infektion des Menschen durch Legionellen geschieht hauptsächlich durch das Einatmen von Wasserdampf in Duschen oder bei Wasserhähnen.”

Übertragung auf den Menschen

Die Infektion des Menschen durch Legionellen geschieht hauptsächlich durch das Einatmen von Wasserdampf in Duschen oder bei Wasserhähnen. Weitere Gefahrenquellen sind Aerosole, ein Gemisch aus Schwebeteilchen und Luft, in Kühltürmen, Klimaanlagen und Schwimmbädern mit beispielsweise Fontänen und Rutschen. Eine Infektion durch offene Wunden ist sehr selten, die Ansteckungen über die Einnahme von Essen oder Trinken ist nicht möglich. Zudem ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch ausgeschlossen [1] [6].

Ueberraschungen vermeiden

Gesundheitliche Auswirkungen

Eine Legionelleninfektion kann zwei Krankheitsformen auslösen, das Pontiac Fieber und die Legionärskrankheit. Das Pontiac Fieber ist eine grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Husten und Muskelschmerzen. Sie befällt nicht die Lunge, hat einen relativ milden Verlauf und Todesfälle sind nicht bekannt. In Deutschland geht man davon aus, dass pro Jahr mindestens 100.000 Menschen daran erkranken. Die Legionärskrankheit hat jedoch schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit. Sie befällt die Lunge und löst eine schwere Lungenentzündung aus. Besonders Menschen mit schwachem Immunsystem, alte Leute, Säuglinge, Raucher und Kranke sind betroffen. Der Verlauf ist von hohem Fieber und grippeähnlichen Symptomen geprägt. Am Anfang gleichen sich die Symptome der Legionärskrankheit und des Pontiac Fiebers, erstere kann jedoch tödlich verlaufen. Gesunde Menschen haben ein Sterblichkeitsrisiko von zehn Prozent, während bei Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen die Krankheit zu 80 Prozent tödlich verläuft [1] [7] [11] [12].

“Regelmäßige Überprüfungen der Trinkwasserinstallationen auf Legionellenbefall sind gemäß der Trinkwasserverordnung vom Betreiber durchzuführen.”

Mögliche Gegenmaßnahmen

Regelmäßige Überprüfungen der Trinkwasserinstallationen auf Legionellenbefall sind gemäß der Trinkwasserverordnung vom Betreiber durchzuführen. Bei Anlagen mit gewerblicher Tätigkeit ist mindestens alle drei Jahre, bei öffentlicher Tätigkeit eine jährliche Überprüfung vorgeschrieben, bei mobilen Versorgungsanlagen wie beispielsweise Flugzeugen legt das Gesundheitssamt die Häufigkeit fest. Zu öffentlichen Tätigkeiten zählen unter anderem Schulen, Krankenhäuser und Altenheime. Mit dem Begriff gewerbliche Tätigkeiten werden Mietshäuser und Arbeitsstätten eingeschlossen. Wird der Grenzwert von 100 KBE/100 ml überschritten, so ist der Betreiber verpflichtet, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Mögliche Schritte sind die thermische Desinfektion, Spülen bei über 70 Grad Celsius länger als drei Minuten, die chemische Desinfektion, die UV-Bestrahlung oder Ultrafiltration (Aktivkohle-Blockfilter mit Kapillarmembran 0,2 µm) [1] [3] [9].

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Fazit

Legionellen im Trinkwasser können in zu hoher Konzentration schädlich für die menschliche Gesundheitlich sein und sogar bis zum Tod führen. Die Trinkwasserverordnung hat daher zulässige Grenzwerte festgelegt, die eingehalten werden müssen. Der Betreiber ist dafür verantwortlich, die Trinkwasserqualität sicherzustellen. Auch Sie als Privatperson können jedoch Gegenmaßnahmen ergreifen. Trinkwasserleitungen, die selten genutzt werden, weisen eine erhöhte Gefahr des ungesunden Legionellenwachstums auf, da das Wasser in der Leitung bei optimalen Keimtemperaturen länger verweilt. Als Regel gilt: Wurde ein Wasserhahn drei Tage nicht benutzt, tauschen Sie das abgestandene Wasser in der Leitung aus. Drehen Sie den Hahn dazu so lange auf, bis das Wasser wieder richtig kalt oder warm aus der Leitung fließt. Zudem können sie einen Eingangswasserfilter einbauen, der verhindert, dass Partikel in die Haushaltsinstallation eingeschwemmt werden und die Leistung der Brauseköpfe und des Trinkwassererwärmers reduziert [8] [10].

  1. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2016): „Legionellen – die am häufigsten gestellten Fragen“. URL: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/hygiene/wasser/legionellen.htm#pflichten (14.10.2016)
  2. NDR (2013): „Legionellen: Gefährliche Keime im Trinkwasser“. URL: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/legionellen113.html (14.10.2016)
  3. Bundesbehörden (2016): „Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch, (Trinkwasserverordnung – TrinkwV 2001)“. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/BJNR095910001.html (14.10.2016)
  4. Zühlke, Karsten (Unbekannt): “Legionellen im Trinkwasser”. URL: http://www.trinkwasserspezi.de/html/legionellen.html (14.10.2016)
  5. Kenyon College (2016): „Legionella pneumophila“. URL: https://microbewiki.kenyon.edu/index.php/Legionella_pneumophila (14.10.2016)
  6. Chieme.de (2016): „Aerosol“. URL: http://www.chemie.de/lexikon/Aerosol.html (14.10.2016)
  7. Netdektor.de (2016): „Legionärskrankheit“. URL: http://www.netdoktor.de/krankheiten/legionaerskrankheit/ (14.10.2016)
  8. Gräber, Berrit (2011): „Wie winzige Bakterien die Mietkosten treiben“. URL: http://www.focus.de/immobilien/mieten/tid-23944/neue-trinkwasserverordnung-billig-und-effektiv-legionellen-schutz-zum-selbermachen_aid_676188.html (14.10.2016)
  9. ikz praxis (2002): „Sanierung von Trinkwasserleitungen bei Legionellenbefall “. URL: http://www.ikz.de/ikz-praxis-archiv/p0206/020612.php (14.10.2016)
  10. baulinks (2014): „Legionellen: Unterschätzte Gefahr in Privathaushalten”. URL: http://www.baulinks.de/webplugin/2014/1235.php4 (14.10.2016)
  11. Robert Koch Institut (2013): „RKI-Ratgeber für Ärzte: Legionellose”. URL: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Legionellose.html (14.10.2016)
  12. Robert Koch Institut: „Legionellose in Deutschland 2004“. In: Merkblatt Nr. 48, S.1-6.

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