Deutschland gilt immer noch als Jodmangelgebiet [1]. Folge davon sind oftmals Schilddrüsenerkrankungen und sogenannte Kropfbildungen. Auch wissen viele nicht, dass der Jodbedarf während der Schwangerschaft steigt und eine ausreichende Versorgung mit Jod für eine gesunde Entwicklung des Fötus notwendig ist [2]. Gerade deshalb sollte man auf eine ausreichende Jodversorgung achten, die auch über das Trinkwasser geschehen kann.

Definition

Im nachfolgenden Artikel wird unter Trinkwasser gleichermaßen Leitungswasser verstanden.

Was ist Jod und was ist der Verwendungszweck?

Der Nutzen von Jod für den menschlichen Körper wurde Anfang 1900 entdeckt. Jod gehört zur Halogengruppe im Periodensystem und zu den nicht-metallischen Elementen [3]. Im menschlichen Körper fördert es den Aufbau von Hormonen, die zum Beispiel für Knochenbildung und Wachstum zuständig sind [1]. Durch die hohe Elektronenbindungsfähigkeit von Jod, kommt es in der Natur meist in Form von Jodid vor [3]. Verwendet wird Jod vor allem als Zusatz in Speisesalz sowie in Tierfuttermitteln. 1989 wurde eine Verordnung erlassen, die die Verwendung von jodiertem Speisesalz fördern sollte. So wurde die Verwendung von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie und Gaststätten erlaubt [1].

Wie kommt Jod ins Trinkwasser?

Wie viel Jod im Trinkwasser gelöst ist, hängt von der Beschaffenheit der Böden in der jeweiligen Region ab. In Deutschland sind besonders die Regionen mit vulkanischen Böden, wie zum Beispiel die Rhön oder der Thüringer Wald, durch wenig Jod im Trinkwasser geprägt. Insgesamt herrscht in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle des Jodgehaltes im Wasser vor. Das liegt vor allem daran, dass in Meerwasser und den dort vorkommenden Salzkristallen mehr Jod gelöst ist. Je näher eine Region der Küste ist, desto mehr des Stoffes wird durch Flüsse ins Grundwasser gespült [1]. Zusätzlich wird es durch Erosion ausgewaschen. Das heißt, in Gebieten mit stark erodiertem Grund nimmt die Jodkonzentration im Trinkwasser ebenfalls ab.

Wie hoch sind die Jodwerte im Trinkwasser?

Da, wie bereits erwähnt, der Jodgehalt im Leitungswasser von den vorherrschenden Böden abhängig ist, ist er in Deutschland in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. An den Meeresküsten, zum Beispiel in Rostock, liegt der Jodgehalt bei 9,3 μg/L. Im Landesinneren im Breisgau beinhaltet das Leitungswasser hingegen nur noch ca. 2,0 μg/L Jod. Oftmals enthalten Mineralwässer aus Quellen in Gebieten mit jodarmen Leitungswasser deutlich mehr Jod. Da dieses Wasser aus tieferen Gesteinsschichten gewonnen werden, die durch die Ablagerung von Meeressedimenten entstanden sind, wird in ihnen auch mehr Jod gelöst [1]. Jod gilt als wichtiges Spurenelement für den Menschen und daher sind keine Grenzwerte für die maximale Jodanreicherung des Wassers vorhanden.

Wie viel Jod pro Tag sollte man einnehmen?

Der Jodbedarf einer Frau beträgt täglich etwa 150 μg. Ähnliche Werte können auch für Männer als Maßstab gesetzt werden[4]. Andere Quellen empfehlen pro 1 Kilogramm Körpergewicht 1 μg täglich [1]. Bei einer schwangeren Frau (ab dem 4. Monat) erhöht sich dieser Bedarf auf etwa 230 μg. Stillen Sie ihr Kind, erhöht sich Ihr Jodbedarf nochmals auf ca. 260 μg [4]. Das meiste Jod wird im Körper durch den Urin wieder ausgeschieden und kann so gemessen werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht einen Wert über 300 μg im Urin als Grenzwert, alles darüber kann eine Beeinträchtigung für die Gesundheit bedeuten [5]. Das Bundesinstitut für Risikobewertung legt wiederum einen Maximalbedarf von 500 μg täglich fest [1].

Auswirkungen im menschlichen Körper

Die Betrachtung von Jod im menschlichen Körper erfolgt meist im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen. Bei einem Jodmangel kann es so zum Beispiel zu Kropfbildungen kommen oder zur Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen. Für Föten und kleinen Kinder kann ein Jodmangel bedeuten, dass die physische Entwicklung verlängert wird und die Mortalität steigt. Zusätzlich wurde ein Zusammenhang zwischen der täglichen Jodzufuhr und der Schulleistung, dem IQ sowie Lernschwächen festgestellt [3].

Neben den Auswirkungen eines Jodmangels, kann es teilweise auch zu einer Überdosierung von Jod kommen, wodurch eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose) im Körper ausgelöst wird. Diese Art der Schilddrüsenerkrankung ist in Deutschland jedoch eher weniger auf zu hohe Joddosen zurückzuführen, da hier strenge Regeln für die Anreicherung von Lebensmitteln mit Jod existieren. In afrikanischen Ländern ist die Hyperthyreose weiter verbreitet, da entsprechende Kontrollen der Lebensmittel fehlen [1].

Fazit

Da die deutschen Böden wenig Jod gebunden haben, beinhaltet unser Leitungswasser entsprechend wenig Jod. Selbst in Küstennähe müssten Sie 30 Liter Wasser täglich trinken, um eine Überschreitung der empfohlenen Jodmenge zu erreichen. Auch in Kombination mit jodreichen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Milch (ca. 82-115 μg/L), ist eine erhöhte Jodeinnahme eher unwahrscheinlich. Tatsächlich belegen Studien, dass die meisten Deutschen an einem Jodmangel leiden. Das deutsche Leitungswasser kann in Hinsicht auf die Jodwerte somit für die Gesundheit als unbedenklich bezeichnet werden.

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: (2004): „Nutzung und Risiken der Jodprophylaxe in Deutschland.“ URL: http://www.bfr.bund.de/cm/343/nutzen_und_risiken_der_jodprophylaxe_in_deutschland.pdf (16.11.2016).
  2. Röhl, Silke und Schücking, Beate A.: „Identifikation von Versorgungsmängeln sowie Maßnahme zur Sicherung der Versorgung mit Jod und Folsäure vor und in der Schwangerschaft“. In: Kirch, Wilhelm, Badura Bernhard und Pfaff Holger (Hrsg.): Prävention und Versorgungsforschung. Wiesbaden: Springer-Verlag. S. 807-818, 2008.
  3. Ekmekcioglu, Cem und Marktl, Wolfgang: „ Essentielle Spurenelemente: Klinik- und Ernährungsmedizin“. Wien: Springer-Verlag, 2006.
  4. Toeller, M. und Scherbaum, W.A.: „Beratung zur gesunden Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln“. Wiesbaden: Springer-Medizin-Verlag, 2007 (= Der Gynäkologe, Ausgabe 40, Heft 8).
  5. Thamm, Michael (2007): „Bericht zur Jodversorgung deutscher Kinder und Jugendlicher auf Basis der Daten des „Jod-Moduls“ im Rahmen der KIGGS Studie.“ URL: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/JodMonitoring.pdf?__blob=publicationFile (16.11.2016).

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